Live:

Alle Termine

Abonnieren: RSS | iCal

Netzwerke

Götz Widmann bei FacebookGötz Widmann bei MySpaceGötz Widmann bei TwitterGötz Widmann bei YouTube

der trinkende philosoph

was ham wir für nen tag heut ich glaub donnerstag
das heisst sieben tage schon
geh ich nicht mehr aus dem haus mach einfach hier was ich mag
in selbstgewählter isolation
die fressalien gehn mir ganz bestimmt nicht aus
hab gross bei aldi eingekauft
schleppte nen rucksack und ne tasche und vier tüten nach haus
es war für mich da hab ich gerne geschnauft

zuhause hab ich mir erstmal ein bier aufgemacht
seitdem hat es noch oft gezischt
ich trank und hab dabei über das trinken nachgedacht
über leben tod und liebe halt gemischt
über die unleugbaren vorteile der einsamkeit
über die sterne über götter über mich
über genüsse über schmerzen und die gleichgültigkeit
je mehr ich grübelte umso wirrer wurde ich

meine gedanken legten sich mir wie ne schlinge um den hals
ich befand mich bald am rande eines nervenheilanstaltaufenthalts

warum ich denk und bin das werd ich nie verstehn
auf dem gebiet bin ich nicht klüger als als kind
man denkt man hat es schon beginnt es sich im kreis zu drehn
solang man drinsteckt ist man einfach zu blind
ohne gott ging es nicht weiter und so hab ich mich entschieden
meiner ist jetzt der alkohol
ich trank ein paar schlücke und ich fand meinen frieden
und ich fühlte mich kurzfristig wohl

am nächsten tag hatt ich nen kater und den glauben verlorn
also hab ichs mit meditieren versucht
dann mit fernsehn dann mit lesen dann den teufel beschworn
in allen sprachen die ich kenne geflucht
es tat mir gut mal so ganz ohne aufsicht zu sein
also liess ich mich richtig gehn
fand mein vertrauen in das trinken wieder frass wie ein schwein
eine woche keine dusche gesehn

ich sah den rausch als höchste ausdrucksform des menschlichen denkpotentials
ich war ein tiefgläubiger jünger von hopfen und malz

ich dachte hängenlassen ist die wahre philosophie
das ist gleichmut das ist friede das ist glück
pflicht und disziplin lag mir eh noch nie
also gab es keinen weg zurück
die leeren flaschen prägten bald das bild im raum
die vollen aschenbecher warn mir egal
ich sass da fühlte mich göttlich und bewegte mich kaum
und meine aussenwelt konnte mich mal

ein paar tage hab ich so das schönste leben geführt
doch dann hat mich ein geist übermannt
heute morgen hat sich plötzlich was in mir gerührt
und es wurde recht schnell dominant
ich glaub ich geh jetzt duschen zieh was anständiges an
und dann räum ich hier ein bisschen auf
wenn ich die flaschen abgeb bin ich ein gemachter mann
einsiedelei ich scheisse drauf!

mich packt der überindividuelle zwang des arterhalts
ich glaub ich wälz mich heut mal wieder auf die balz

wenn es keine frauen gäbe dann gäbs auch keinen trieb
und es gäbe keinen zwang was zu tun
dann wären alle philosophen und hätten sich lieb
doch als mann ist man nun mal nicht immun

mich packt der überindividuelle zwang des arterhalts
ich glaub ich wälz mich heut mal wieder auf die balz

musik und text kleinti simon & götz widmann

Cover: Joint Venture - Augen zu