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liegen bleiben

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ich hab den einen oder andern philosophen gelesen
für mich als subjektives wesen
war das meiste davon hirngewichse
irgendwelcher schlechtgefickter halbverrückter habenixe
aber eines konnte ich trotzdem aus all dem extrahiern
es geht darum den spass am leben zu maximiern
unter gewissen moralischen nebenbedingungen
und ich glaub es ist mir bisher eigentlich ganz gut gelungen
aber einfach war das nicht
das leben besteht zu einem grossen teil aus pflicht
dingen die man nicht machen möchte
an die man am liebsten gar nicht dächte
neulich hab ich mal in einer langen nacht
ernsthaft darüber nachgedacht
vielleicht doch dann irgendwann mal den entschluss zu fassen
das alles hinter mir zu lassen
und endlich mal grundlegend was zu ändern
nicht immer nur an den rändern
sondern so richtig in der mitte konsequent
und dann bin ich eingepennt
und als ich morgens aufwachte war mir klar
dass liegen bleiben die lösung war
und dann bin ich erstmal liegen geblieben
und hab weitergeschlafen bis abends um sieben
und bin dann wieder aufgewacht und hab im liegen darüber nachgedacht
was während ich im bett liege mein körper alles macht
herz lunge leber ventillieren
das hirn am träume produzieren
milz magen galle funktionieren
sonst würde ich krepieren
man kann dem existenzkampf auch im liegen nicht entfliehn
sogar im schlaf verbrennt man pro stunde 33 kalorien
im vegetativen minimalprozess
schon gar nichts tun ist so ein ungeheurer stress
irgendwann kriegt man hunger und fragt sich was nun
und dann muss man halt doch was tun
menschen hunde katzen schweine
wir alle das ist ja das gemeine
aber ich hatte die geistesgegenwart besessen
und mich am abend vorher nochmal so richtig vollgefressen
man liegt da und hört ne fliege um seine nase brummen
kein problem aber das fiese summen
von ner mücke die sich auf dein friedliebendes ohrläppchen setzt
was mach ich scheisshippie jetzt
ich wollte mich doch nicht mehr bewegen
ich versuchs mal mit von einer seite auf die andre legen
totale passivität
ich hab getestet ob das geht
man liegt da und denkt an dies und das
und an ich weiss nicht was
die energie die man verschwendet die versuchung zu ertragen
nicht sofort nach ihr zu schlagen
und man versucht konsequent zu sein
und irgendwann sieht man es ein
macht das licht an und erdrückt sie eiskalt mit dem kissen
und wo man eh schon steht geht man auch gleich noch pissen
und legt sich dann zufrieden wieder hin
die meisten aktionen sind nutzlos diese hatte ihren sinn
frieden kann man ohne feind viel intensiver geniessen
und die sinne fangen an in den wind zu schiessen
und sich endlos zu entfalten
ohne irgendwo anzuhalten
und man liegt einfach nur da
und wird in jedem moment ein anderer als man vorher war
es waren immer menschen die grade lagen
die stellten sich die wirklich entscheidenden fragen
wie die welt sich in ihrem innersten dreht
buddha newton menschen in totaler passivität
ich mach die augen auf fixier sie auf was lass dann wieder los
ich bräuchte einen kaffee aber der aufwand ist zu gross
kein bock mich anzustrengen
hier jetzt liegen ohne kaffee schlägt kaffeemachen um sechs längen
während die heizung an ist und mein akku lädt
und meine tochter in die schule geht
und mancher balken auf dem bildschirm im nichts verläuft
und einer meiner besten freunde sich grad zu tode säuft
und ich hab mich entschlossen nichts dagegen zu machen
weil ich eh nichts machen kann als drüber lachen
während der kühlschrank funktioniert und die kaffeemaschine
und die amerikanische kriegsmarine
während man vom urlaub träumt oder an seinen vater denkt
oder was man der frau die man liebt zum geburtstag schenkt
oder an sex ein gutes buch dass man den müll rausbringen muss
oder an den nächsten richtig guten zungenkuss
an das seltsame vergnügen da zu sein
und dann fallen einem wieder die maden in der mülltonne ein
im letzten sommer das weggeschmissne grillfleisch war das fies
nein das leben ist kein paradies
aber immerhin klingelt grad kein telefon
und kein verdammter weckerton
ganz entspannt im jetzt und hier
und keiner will grad was von mir
lassen wir es fliessen
einfach nur geniessen
dazuliegen
und nicht genug davon zu kriegen
ein wunder findet statt
ein moment des nichtstuns wie man ihn nur noch selten hat
ganz entspannt im hier und jetzt
handeln wird in unserer gesellschaft eh dramatisch überschätzt
was für ein vergnügen
einfach nur dazuliegen
nichts zu tun
und auszuruhn
und auszuruhn

musik und text: götz widmann