Zeitreise ganz ganz weit zurück

Hi,

die Zeitreise-Tour geht langsam auf die Zielgerade. Das absolute Highlight für mich persönlich steht aber noch bevor. Es war 1989 oder so. Ich war ein bemitleidenswerter BWL-Student. Auf die Tatsache, dass aus mir mal ein Liedermacher werden könnte wies herzlich wenig hin. Vielleicht doch eins: wenn ich sehr betrunken war überkam mich gerne mal so ein Rampensau-Instinkt. Da ich noch keine eigenen Nummern hatte machte ich mich ziemlich respektlos über das Werk von anderen her. Besonders berüchtigt waren meine Coverversionen von Joe Cocker und, ja wirklich, Whitney Houston, was man sich heute kaum noch vorstellen mag. In meiner kargen Freizeit spielte ich zum Spass mit meiner damaligen Freundin Isa nicht wirklich bedeutende Rollen in diversen Jugendstücken im Heidelberger Taeter-Theater. Das war einrichtig geiles Ensemble damals, alles Laiendarsteller, aber feiern konnten die wie es kein Profi draufhat. Das beste waren die Premierenparties, da war ich dann natürlich richtig betrunken und die Rampensau kannte kein Halten mehr. Irgendwie fanden die Leute das amüsant und es ging immer voll ab wenn ich zu With a little Help from my friends über die Bühne rollte. Nach einer dieser Premierenfeiern kam dann so ein hochbegabter Jungregisseur namens Stefan Heusler auf mich zu. Der hatte gerade mit seinen 18 Jahren die Verantwortung für ein eigenes experimentelles Theaterstück übertragen bekommen, was wirklich etwas besonderes war, auch für unser ziemlich mutiges Theater. Und der meinte jetzt in mir genau den richtigen Partner gefunden zu haben, Erde als Ausgleich für Äther oder sowas.

Da ich sehr gut gelaunt war sagte ich direkt zu, ohne die Konsequenzen einzuschätzen. Die bestanden vor allem darin, dass ich von da an statt zu für mein Studium zu lernen lieber kiffte und an Musik für unser Theaterstück arbeitete. Wow war ich glücklich. Und ohne daß ich vorher irgendeine Ahnung davon gehabt hätte daß ich das konnte flutschte auf einmal ein Song nach dem anderen aus mir heraus. Ich war voll in meinem Element und von da an spätestens für jede bürgerliche Existenz versaut. Die Songs habe ich dann als das Stück vorbei war mal aufgenommen und an ein paar Freunde verteilt, unter anderem an meinen späteren Partner Kleinti. Als ich den paar Monate danach besuchte konnte der die auf einmal alle spielen, hatte sie sich einfach mal so raufgeschafft. Das war dann im Grunde der Anfang von Joint Venture, jedenfalls haben wir dann nie wieder aufgehört zusammen zu spielen. Ich bin ganz sicher: ohne das Taeter-Theater wäre ich niemals Liedermacher geworden. Und an diesen Ort kehre ich jetzt nach fast 30 Jahren zurück. Denke der 26. Oktober wird ein ziemlich sentimentaler wunderschöner Abend werden. Und danach besaufen wir uns auf die guten alten Zeiten und alle die nicht mehr unter uns sind…

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