23. Januar 2001
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Coffeefahrt

Juni 95: Wir hatten die Erfahrung gemacht, daß wir unsere besten Ideen hatten, wenn wir total stoned in entspannter Atmosphäre abhingen, und gute Ideen konnten wir dringend brauchen, denn künstlerisch ging es uns zwar prima, aber über unserer finanziellen Zukunft hing ein fettes Fragezeichen. Wir fuhren ein paar Kneipen ab, die in Kommission CDs für uns verkauften und kratzten so die paar Mark zusammen, die wir brauchten, um für einen verlängerten Nachmittag nach Maastricht zu fahren und uns in irgendeinemi Coffeeshop kreativ breitzurauchen. Auf der Fahrt analysierten wir unsere Lage: wir waren total pleite. Die Dinge standen so schlimm, daß wir ersthaft darüber nachdenken mußten, wieder einer herkömmlichen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Wir verbauten den letzten Krümel und stellten die Antennen auf Empfang. Es muß wohl beim Überqueren der Grenze gewesen sein, als uns die Idee mit der Coffeefahrt kam. Wir hatten eigentlich, gerade am Anfang, als wir uns noch nicht so richtig trauten, auf der Bühne zu kiffen, immer davon geträumt, mal in einem echten holländischen Coffeeshop aufzutreten. Nur sahen wir da keine Chance für uns, schließlich braucht man für einen Auftritt ein Publikum, und uns war Idar, daß in einer holländischen Grenzstadt zwei bekiffte Gitarrenguerilleros mit deutschen Texten nicht gerade der Hit sein würden. Der entscheidende Gedanke war schließlich der, daß man sein Publikum ja mitbringen konnte. Wochenende für Wochenende fahren tausende deutsche Kiffer über die Grenze nach Holland, um sich ungestreßt und mit korrekter Angebotsvielfalt was zum Rauchen zu kaufen. Was, dachten wir, wenn wir diesen Leuten die Strapaze, Auto zu fahren, abnehmen und ihnen zum Schluß auch noch ein kulturelles Programm anbieten? Ein konspirativ organisierter Bustransfer von Bonn und Köln zu eineni Joint-Venture-Konzert in Holland, das war die Lösung unserer Probleme. In Maastricht kauften wir roten Libanesen und arbeiteten einen Plan aus. Die Leute zusammenzubekommen war kein Problem das wußten wir, aber wir brauchten einen Bus, wir brauchten einen Laden und wir mußten dringend rausbekommen wie illegal die Sache war. Vor Ort konnten wir nur das mit dem Laden klären er mußte groß genug sein und man mußte da kiffen können. Wir liefen ein paar Etablissements ab, ernteten mit unserer typisch deutschen Idee aber überall Kopfschütteln bis Entsetzen. Wie vorauszusehen gewesen war, fanden wir dann endlich doch ein bißchen abseits von Zentrum einen Coffeeshop, dessen Besitzer bei dem Vorschlag, ihm eine Busladung Hardcorekiffer aus dem unterversorgten Nachbarland direkt his Haus zu liefern den Rekordumsatz aller Zeiten witterte. Wir waren einen entscheidenden Schritt weitergekommen Das war genug Erfolg für einen Tag. Wir fuhren nach Hause. Mit ein paar Telefonaten war ein Doppeldeckerbus mit Klimaanlage organisiert, das Publikumsinteresse war erwartet groß ,aber wir wußten immer noch nicht, welchen Ärger wir uns mit der Sache einhandeln würden. Wir kannten niemanden der uns einen zuverlässigen Rat geben konnte. Letztlich beschlossen wir, es trotzdem zu machen, wir brauchten das Geld. Der Name war klar: Coffeefahrt, Informationsreise für drogenpolitisch Interessierte. Wir baten die Leute auf der Eintrittskarte offiziell, im Sinne einer häufigeren Durchführbarkeit der Veranstaltung doch den Import holländischer Rauchwaren gnädigerweise zu unterlassen. Andere Reiseunternehmer organisieren schließlich auch Eintagesausflüge nach Holland, das allein konnte ja wohl auf keinen Fall verboten sein. Als der vollbesetzte Bus dann auf die A 4 Richtung Aachen abbog, war uns doch ein bißchen mulmig. Es war ein heißer Augusttag, die Bordtemperatur war aber dank Klimaanlage sehr angenehm. Die Luft war erfüllt von süßlichen Schwaden aller Geruchsrichtungen. Hoffentlich drehte der Busfahrer nicht durch. Kurz vor Düren standen wir im Stau. REM-Open-Air, nichts ging mehr. Irgendwann war dann der Qualm wohl zuviel für die Klimaanlage, sie versagte und die Sonne knallte ungehindert auf den stehenden Bus. Jeder normale Busfahirer, der mit 70 Leuten durch die Gegend fährt lädt sich vorher ein paar Getränke ein. Unserer nicht. Kiffer sind sensibel, und so waren wir alle schon völlig platt, als wir in Maastricht ankamen. Damit nicht genug. Die Straße, in der der Coffeeshop lag, war sonntags gesperrt, was wir wohl übersehen hatten. Der Busfahrer ließ sich weder durch gutes Zureden noch durch gezückte Scheine bewegen, da reinzufahren. Wir mußten die Anlage einen halben Kilometer weit zum Laden schleppen und durften dabei auf keinen Fall eins von den bekifften Schäfchen verlieren. Als wir endlich da waren, fühlten wir uns wie Moses, der das Volk Israel nach dreißig Jahren Wüste endlich im gelobten Land abgeliefert hatte. Moses legte sich danach zum Sterben hin, wir mußten gleich auf die Bühne. Zum Ausgleich streckte uns Gott von allen Seiten Joints entgegen. Was unseren Auftritt angeht sind wir beide völlig frei von irgendwelchen Erinnerungen. Böse Stimmen behaupten, das sei wohl auch besser so. Der Ladenbesitzer hatte trotz Bombengeschäft jedenfalls keine Lust auf ein zweites Mal. Die Heimfahrt verlief, bis auf die Tatsache, daß wir bei Düren wieder eineinhalb Stunden im REM-Stau standen, ohne größere Zwischenfälle, niemand starb an einer Überdosis, niemand ging verloren, niemand wurde verhaftet, beim Überfahren der Grenze sang der ganze Bus mit uns ,,Haschisch rauchen macht harmlos". Wir mußten das wiederholen, nicht im Hochsommer nicht wenn irgendwo an der Strecke ein Open-Air war, wir mußten einen neuen Laden finden und irgendwie mußten wir unseren Mitfahrern klarmachen, daß 10 Gramm zwar nicht viel waren, 70 mal 10 Gramm vielleicht auch nicht, aber für eine ganz normale legale Busreise irgendwie leider eben doch. Wieder zuhause holten wir uns Rat bei der Grünen Hilfe, bei einem Anwalt und bei unserem Steuerberater. Alle rieten uns ab, weniger wegen der unklaren Rechtslage als wegen der Tatsache, daß wir als Veranstalter dran waren, wenn irgendwem irgendwas passierte. Und das war bei den ganzen Bekifften irgendwann so gut wie sicher. Wir konnten es aber nicht lassen. Viermal taten wir uns den Streß noch an, weil sich niemand fand, der es uns abnehmen wollte. Es war harte Arbeit. Bus organisieren, Werbung organisieren, Tickets organisieren, Tickets verkaufen, Tickets abreißen, Leute zählen, dumme Fragen beantworten, den Busfahrer beruhigen, den Laden finden, Anlage schleppen, Anlage aufbauen, auftreten, Anlage abbauen, Anlage schleppen, Leute einsammeln, Leute zählen, dumme Fragen beantworten und die ganzen Abgestürzten auch noch am richtigen Haltepunkt. wieder loswerden. Viermal die Panik an der Grenze, das Importproblem hatten wir natürlich trotz intensivster Aufforderungen nicht in den Griff bekommen können. Irgendwann war es einfach genug. Bei der letzten Fahrt nahmen wir im Joint Venture in Arnhem, dem einzigen Coffeeshop in ganz Holland, wo es eine Grassorte mit unserem Namen gab, eine Live-CD auf (Joint Venrure, unanständige lieder, EFA-Best.Nr. 07134-2). Danach machten wir Schluß mit den Coffeefahrten. Die breiten Medien hatten ausführlich Bericht erstattet, mit einer weiteren Fahrt ohne unerwünschtes Aufsichtspersonal konnten wir nicht rechnen. Außerdem legten wir bei der Sache drauf, weil wir zu viele Tickets verschenkten. Und immer so breit auf der Bühne ist auf die Dauer auch schlecht für die Aura.

 
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Smoking Udopea venue

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Letzte Änderung: 13.06.2003
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