23. Januar 2001
Ab sofort ist Götz mit einer eigenen Seite im Netz: www.goetzwidmann.de. joint-venture.de und harmlos.de bleiben weiterhin online, sollen aber als eine Art Museum weitgehend auf dem Stand erhalten bleiben, wie sie Kleinti hinterlassen hat.

Inhaltliche Fragen zu joint-venture.de bitte an Götz Widmann (Kontakt) richten, technische Fragen an Carsten Dobschat (Kontakt).

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das Archiv - Presse - Ich brauch Personal
 
Walter Hermann Josef Stehling, Commandante MFC 1. Vors. D. Ingo Kümmel Gesell-schaft e. V. Junge Welt Abonnent 2. Vorsitzender des Joint Venture Fanclubs Köln-Süd l Kölner Künstler und Komiker, Köln:
 
Dylan geht mir glaub ich jetzt ne Weile auf den Sack
Heureka! Hurra! Die neue CD von Joint Venture ist da!

Joint Venture heißt geteiltes Risiko. Diesem aus der Ökonomie bekann-ten Begriff geben Martin Simon und Götz Widmann aus Köln/Bonn eine neue, Grenzen sprengende Bedeutung. Joint Venture ist mehr als eine satirische Anspielung auf ihr Engagement für die Nutz- und Genuß-pflanze Hanf. Die vorliegende CD „Ich brauch Personal" ist weit mehr als abgedrehte Mucke von Bekifften für ein besoffenes Freakauditorium. Mit Hilfe des „Von Weizsäcker Quartett" und der Jazzcombo „Talking Horns" geben die beiden Dichter und Sänger, kurz „Dinger", akute Le-benshilfe für Beziehungsgeschädigte, verblüffen mit erheiternden Sichtweisen, geben verrückte Einblicke in (scheinbare) Alltagsproblematiken und glänzen insgesamt mit brillant getexteten, kontrapunktisch komponierten Anarchismen. Sie zitieren Stile und Richtungen fast willkürlich, ohne zu imitieren. Das typische Liedermachertum demontieren sie, machen sich darüber lustig und überziehen die musikalische Vorlage bis zum Anschlag. Da groovt mitunter der Marsch wie weiland bei der Roten Rhein-Ruhr Armee. Da klingen Volksweisen an. Da wird der Orient geplündert - aber immer zur größten Freude des echten Joint Venture-Fans. Man muß lachen über ihren skurilen Witz, aber auch weinen über ihren Schmerz, der der eigene Schmerz ist. Da zwang so ein blödes Lied dem Autor gar eine zarte Zähre ab, die ich zur Ehre der beiden Künstler nicht verschweigen möchte. Die Leute zum weinen zu bringen, das wußte schon Karl Valentin, ist sauschwer. Joint Venture muß zu einem Begriff in der populären Musik unserer Tage werden. Sowas kann sich keine Plattenfirma ausdenken! Kein Grand-Prix-Texter kriegt solche Verse hin. Und keiner kann so schön schaurig singen wie Götz Widmann in dem wohl besten Protestlied „Bim Bam". Joint Venture l recommend you! Also kaufen und weltweit verbreiten. Aber bitte nicht an Idioten weitergeben. (Capriola/EFA)

 
Walter H. J. Stehling
 
Westdeutsche Zeitung vom 09.05.98:
 
Der völlig sorglose Umgang mit Humor und Ironie
Die Köln-Bonner Liedermacher Joint Venture im Barmer LCB

Daß man für einen unterhaltsamen Abend nicht mehr braucht als ein Mikrophon, eine Gitarre und ein Publikum, das auch über sich selber lachen kann, ist nicht erst seit Jürgen von der Lippe bekannt. Doch die Zeiten von Ingo Insterburg & Co oder Otto Waalkes sind lange vorbei, und gerade humorige Liedermacher haben in Zeiten medientauglicher Betroffenheit und post-feministischer Orientierungslosigkeit ernste Nachwuchssorgen. 
Mit dem Köln-Bonner Duo Joint Venture zeichnet sich allerdings ein Silberstreif ab, der die Lücke zwischen inhaltsleerer Konsumierbarkeit und verbissener Ideologie federleicht überbrückt, und so war ihr Liederabend im Barmer LCB alles andere als eine An sammlung tiefster Ernst-haftigkeit. Im bestuhlten und nahezu ausverkauften Haus fabulierten Götz Widmann und Martin Simon über ein Leben als Papst, karikierten die abendliche Diskothekenjagd nach Zweisamkeit und baten die Zuschauer beim "Land kommunen-Hippie" zum gemeinschaftlichen Indianerge-sang. Unter dem Motto „Ich  brauch Personal", zugleich auch der Titel ihrer vierten CD, beant-worteten sie die Frage nach den Hausmannsqualitäten eines studentischen Singles ganz im Sinne kultivierter Faulheit, rangen um den Erwerb eines „Heiligenscheines" und brachten neue Aspekte in die Diskussion um die sitzende Verrichtung der männlichen Notdurft. 
Ihre leichtgängige Ironie, die fast selbstverständliche Verdrehung zwischengeschlecht-licher Verhaltensweisen und die offene Thematisierung nicht nur erlaubter Rauschmittel trafen punkt-genau den Nerv der Anwesenden, und so ging mitternächtlich ein Abend zu Ende, der über-reichlichen Humor und offensichtliche instrumentale Schwächen der beiden zu einem sym-pathisch sorglosen und gelungenen Konzept verband.
 

 
Dirk Jessewitsch
 
Stadtmagazin Mönchengladbach mai 98: 
 
Platte des Monats 
Joint Venture - "Ich brauch Personal"

Liedermachersind ausgestorben. Mitnichten: JointVenture sind der sehr lebendige Be- 
weis, daß das Genre neue (Hanf)-Blüten treibt. Dabei gefallen die zwei Bonner durch instrumentale Minimalität, musikalische Virtuosität und vor allem durch ihre Drogen- 
durchsetzten Sprachspielereien ohne Biermann-Zeigefinger. 
Es sind Lieder für Kiffer („Er muß uns jetzt was singen"), Säufer („Orient Express"), Faulenzer („Ich brauch Personal", „Ne Frau, die sich mich leisten kann"), Verliebte („Spiegelbild"), unglücklich Verliebte und Alleingelassene („Alles wieder gut") - Musik, die man in fast allen Lebenslagen gebrauchen kann, und die eigentlich auf Rezept zu bekommen sein sollte. 
Philosophie fehlt auf der CD, die mit 21 Tracks erfreulich üppig ausgefallen ist auf dessen Coverein Gladbacher Wohn raum prangt (s. auch "Stadtgespräch), auch nicht: Der vierte Teil der „Fliege", Joint Venture-Kundigen bestens bekannt, besticht durch prägnante Kürze und den entsprechenden Tiefgang: 
Daß die beiden keinen Vertrag mit weltanschaulichen Heiligtümern haben und nicht nur auf den Standard-Institutionen (Kirche, Staat, Frauen) herumhacken können, beweisen sie diesmal mit „Requiem für Bob Dylan". 
Keine Frage: Joint Venture haben ein hervorragendes Album abgeliefert, das Menschen, die auch nur einen Funken Stil besitzen, immer auf dem CD-Player liegen haben müssen. Extraklasse! 
Da die CD möglicherweise in den großen Musikmärkten im Regal fehlen könnte, sei er- 
wähnt, daß uns „foobot Records". Am Neumarkt 11 (neben Karstadt). MG-Rheydt. fest zugesagt hat, daß "Ich brauch Personal" dort erhältlich sein wird.

 
pw
 
Stadtmagazin Mönchengladbach mai 98:
 
Wettbewerb „Versiffteste Bude" 
Gladbacher gewinnt

Zum ersten Mal hatte Joachim Holz die Bonner Liedermacher „Joint Venture" auf einem Konzert in der FH gesehen und sich prompt, begeistert wie er von ihnen war, in die Newsletterliste der Band eingetragen: Als er etwas später Post von ihnen bekam, und las, daß für das neue CD-Cover (inzwischen erschienen, Bespr. s. CD-Seite), die versiffteste Bude der Republik gesucht wurde, fühlte er sich prompt angesprochen. Er engagierte Sülejman Gülenoglu, um seinen Wohnraum, den bösartige Schwiegermütter wohl als Sau 
stall bezeichnen würden, als Wettbewerbsbeitrag ablichten zu lassen. 
Beim nächsten „Joint Venture"- Auftritt im BIS übergab er die, wie wir jetzt wissen, hochkarätigen Aufnahmen persönlich den Künstlern, die spontan Begeisterung zeigten. Aus dem jüngsten Newsletter durfte er dann erfahren, daß er gewonnen hatte. Dabei soll es sich keineswegs um ein gestelltes Foto gehandelt haben: „Eine zeitlang  war  das schon  der Normalzustand", sagt der sichtlich stolze Preisträger. Gewonnen hat er ein „Joint Venture"-Privatkonzert, das wohl im Juni in Bettrath über die Bühne gehen wird. 

 
pw
 
Kölner Stadtanzeiger Beilage "Tips und Termine" vom 22./23. Mai 98:
 
Tagestip

Zugegeben: 
Ein kleines bißchen anachronistisch wirken Joint Venture schon. Bewaffnet mit zwei Wandergitarren, zupfen Martin Simon und Götz Widmann einen flotten Darm für (respektive gegen) alles, was da so kreucht und fleucht und hätten mit ihren Songs über die Unwegsamkeiten des Alltags auch schon prima auf die Burg Wäldeck gepaßt. Was aber nicht heißt, daß die Lieder der beiden im Hier und Jetzt hoffnungslos überholt wären. Im Gegenteil: Viele Probleme, die es bereits Ende der sechziger Jahre gab, sind schließlich bis heute nicht gelöst. Also muß - oder kann man drüber singen. Und genau das tun Joint Venture: Sie preisen die segensreichen Wirkungen der Hanfpflanze („Haschisch rauchen macht harmlos - in breiten Köpfen ist mehr Platz für Toleranz"), loten kenntnisreich das Pro- und Kontra von „Sitzend pinkeln" aus und haben auf ihrer neuen CD „ich brauch personal" auch was über gescheiterte Liebschatten zu reimen. „Mona, Manu, Maja, Bine/ Sarah, Rachel, Ruth, Regine/ Heike, Meike, Eva, Anne...hinter jedem dieser Namen/ stehen Tausende von Damen/und die alle brauchen Sex/Junge scheiß auf deine Ex." 
Nicht minder interessant ist das Vorprogramm: Rieh Schwab, früher der Baßmann  bei Schröder Roadshow, sorgt heute als Kneipier dafür, daß die Kölner Peters-Kölsch trinken dürfen - und hat gerade ein Solo-Album veröffentlicht. Joint Venture 
und Rich Schwab spielen am Donnerstag, 
28. Mai, in der Kantine in Köln-Nippes

 
MaW
 
Prinz / Köln mai 98:
 
Platten aus Köln

Joint Venture - "Ich brauch Personal"
Für ihre vierte CD wagten sich Kleinti Simon & Götz Widmann ins Studio: kein stöhnendes und hüstelndes Publikum mehr, dafür eine perfekte Klangqualität. So  entfalten sich die Songs der beiden Lebenskünstler am besten. Und wer jetzt glaubt, daß wir einen Sprung in der Schüssel haben, weil wir „Liedermacher" empfehlen, sollte es erstmal selbst versuchen: Selbst der härteste Drum'n'Bass-Fan in unserer Redaktion fühlt sich im Joint-Venture-Universum wohl. Das ist seltsam, aber ganz einfach: denn nur böse Menschen haben keine Lieder! Capriola/EFA 
im gleichen Heft fand sich noch diese Konzertankündigung:
JointVenture: Ihr neues Album ist wieder wundervoll, so daß ihr Publikum jetzt hof- 
fentlich noch mal wächst. Kantine: 28.5., 21.00.Uhr

 
Neue Westfälische Presse 01./02. mai 98:
 
Gelassen dem Tod entgegensehen  
Joint venture gastierte mit „anständig unanständigen Liedern" im Queller Zweischlinge

Bielefeld-Quelle: Willkommen im Rinnstein. Auf kaltem Pflaster, die Beine angezogen, nahe zusammengerückt, mit Sprit versorgt: So läßt sich's aushallen. Also denn, Gitarren spielt auf, und Barden, singt uns hier unten was von denen da oben. Doch falsch gedacht. Die Zeiten wölfischen Anheulens des Mondes, der sich darob einen Dreck schert, sind nicht nur für Kabarettisten, sie sind auch für Liedermacher vorbei. Bezeichnet man Martin Simon und Götz Widmann von „Joint Venture" als solche, die beiden wehren sich ob dieses Etikettenschwindels zu Recht dagegen. ,,Joint Venture" singen zunächst ein mal,,anständig unanständige Lieder". Und das mit großem Erfolg, wie der Auftritt im gut besuchten Zweischlingen hinlänglich bewies. 
Die oben beschriebene Gossenperspektive behalten die beiden Musiker durchgehend bei. Was fehlt, ohne von den Fans als Mangel empfunden zu werden, ist jegliche aufklärerische Absicht. Das bedeutet allerdings nicht, daß nicht reichlich ausgeteilt würde. Doch im Gegensatz etwa zu „Ton, Steine, Scherben", die ihre naive Wut über die Verhältnisse der siebziger Jahre ganz konkret gegen bestimmte Personen def1'Berliner Politik richteten, ist das Unbehagen am Bestehenden weniger direkt ausgerichtet. Da wendet sich der shit-verrauchte Zorn eher gegen irgendeinen Chef, der einem den Tag versaut. 
Oder sie machen sich, wie in „Jesus von Oberpleis", über die unbefleckte Empfängnis lustig. Irgendwie spürend, daß sie damit vielleicht ein Reizthema gefunden haben, mit dem sie trefflich ein Tabu brechen und die religiösen Ansichten anderer verletzen könnten. Sieht man davon ab, daß der Tabubruch auch nicht mehr der ist, der er einmal war, kann man sich an den unprätentiös-witzigen Texten durchaus erfreuen, wenn man für solche siedend heißen Themen wie „Sitzend pinkeln" ein Mindestmaß an Interesse erübrigt. Selbstbefleckung darf in diesem Zusammenhang auch nicht fehlen und nicht das Aufbe- 
gehren gegen eine ideologisch verblendete Drogenpolitik, die einem den armlosen Spaß am Joint vermiest. Rundum gehen die Schläge, mehr oder minder das Ziel witzig treffend. Wer mag, darf bei „Joint Venture" den Begriff der „Generation X" anbringen, ohne völlig danebenzuliegen. Es darf gemutmaßt werden, daß von persönlichen Dingen die Rede ist, wenn im „Papst-Lied das eigene lose Leben um die Dreißig besungen wird, das man immer noch nicht so recht in den Griff bekommen hat, weshalb man sich ins Rennen um den Heiligen Stuhl einklinken will. Und so singt und klampft man sich auf sehr ordent- 
lichem musikalischen Niveau schön rotzig, selbstironisch Altersweisheiten aufflackern lassend („Ich kann dem Tod gelassen entgegensehen, denn ich bin älter als Kurt Co- 
bain") und, Gott sei's gedankt, ohne Larmoyanz, durchs zweieinhalbstündige Programm. 

Und da die Götter schon tot sind oder man sie vorzeitig , begraben hat („Requiem für Bob Dylan"), steht es auch dem Rezensenten nicht an, zu richten über „joint venture", die nicht hur zu vergnügen wissen mit „Fliegen" - und „Mageninhaltszyklen", sondern einem in diesen dunklen Zeiten der singenden Nußecken das Gefühl vermitteln, nicht völlig ver- 
scheißert zu werden. Nach Birmingham werden sie damit nicht kommen. Vielleicht aber recht bald wieder ins Zweischlingen. Die Fans würden es ihnen danken.

 
Matthias Gans
 
Coolibri mai 98:
 
Anekdoten ohne Filter 
Joint Venture

Bloße Brillanz ist langweilig, ebenso der einfache Rausch. Wenn man allerdings dazu be fähigt ist, beides zu verbinden, und der Chose darüber hinaus Leben einzuhauchen, kann dabei etwas wahrlich Entzückendes herauskommen. Das Kölner Sänger-und Songschreiberduo JOINT VENTURE ist meistens brillant und häufig genug berauscht - somit  befähigt und lebendig, einfach entzückend eben. 
Das Besondere an den modernen Barden Widmann und Simon ist die absolute Trans- 
parenz ihrer Texte, ihrer deutschen Texte. Deutsche Texte - ein Stigma? In diesem Fall wohl kaum, selbst wenn gesungene deutsche Prosa gerade im Brecht- Jubiläumsjahr bei annähernd jeder Gelegenheit zu diskreditieren versucht wird. JOINT VENTURE singen von ihren persönlichen Sehnsüchten und sagen gerade heraus, was ihnen stinkt, was sie bereuen und trotzdem immer wieder  tun: Wie in einer Art Selbsttherapie sehen sie den Alltag mit ihren Augen und beschreiben ihn ungefiltert, wobei man mit jeder Zeile ihrer Lieder daran erinnert wird, daß man sich irgendwann auch schon einmal in ähnlichen Situationen befun den hat. Nur allzu gerne vermag man sich wiederzufinden in ihren leinen Ohnmachts-Szenarien, und genauso ungern möchte man das Unbehagen, das sie an anderer Stelle versprühen, nachvollziehen. Aber so auf den Punkt, wie JOINT VENTURE die Anekdoten erzählen, hat man sie eben noch nicht gehört. 
Doch auch die musikalische Untermalung hat durchaus Mitreißendes zu bieten: War das charmante   Moment   lange   Zeit   eher   der Unterhaltungswert, den zwei Heinis mit Gitarren auf den Schenkeln nun mal vor allem von der Bühne herab verbreiten, so ist mittlerweile die Einsicht gediehen, daß ein paar kuschelige Streicher auf einer Platte Wunderdinge verrichten können. Die neue CD zum live-event „Ich brauch Personal" 
(Capriola) bietet also über den gewohnten Spaß hinaus stellenweise gute Arrangements, die von erwachsener Gelassenheit zeugen, zumindest in kompositorischer Hinsicht, denn insgesamt ist das Unternehmen, JOINT VENTURE natürlich nach wie vor von vielmehr pubertärer Tendenz. „Wir sagen schon noch 'ficken', wollen aber eigentlich nicht mehr ganz so rüpelig sein", äußert sich Martin Simon zur Stimmung der neuen CD. JOINT VENTURE möchten auch gerne mal - wer könnte es ihnen verdenken - im Radio laufen, und dazu braucht's „ ... ein paar Songs, die nicht explizit sind". Davon gibt es auf „Ich brauch Personal" allerdings nicht viele, was wenig verwundert, zumal das Explizite doch die Leidenschaft der beiden ist. Da muß man auch nicht genau hinhören, denn das, was durch die epi sodischen Lieder transportiert werden soll, ist bereits angekommen, ist selbst schon mal erlebt und gefühlt worden. Die gewählten Themen sind durchweg alte Bekannte: weil man nach all den Höhen und Tiefen noch immer miteinander bekannt ist, darf man sich bei der Neuauflage jedes Mal über einen Evergreen freuen. „Ist doch so, oder? - H-Milch schmeckt nicht, und es müssen die Cornflakes von 'Kellogg's' sein, alles andere ist Scheiße", weiß Simon über seine Frühstücksgewohnheiten zu berichten. Die individuelle Sicht der Welt läßt sich am besten anhand einfacher Beispiele beschreiben, und JOINT VENTURE haben einen ganzen Gitarrenkoffer voll davon: Ob der llmorgendliche Konflikt mit dem Wecker (den man verliert, ist klar) und der sich anschließende Bedarf nach einem neuen Job beweint wird, oder die nicht enden wollenden Blamagen, denen man unterliegt bei dem Versuch, dem anderen Geschlecht ein wenig zu gefallen. 
JOINT VENTURE sagen mit kassandrischer Note, wie es ist: anekdotisch. Mehr braucht man nicht zu wissen.

 
Henning Poppe
 
Marabo - Magazin für´s Ruhrgebiet mai 98:
 
Neues aus der Region

Mit neuen Songs erfreuen uns auch die Köln/Bonner Joint Venture auf ihrer CD „Ich brauch Personal" (Capriola/ EFA). Die häufigen Live-Gäste im Kneipengeschehen des Ruhrgebiets haben wieder 21 lustig-freche Songs direkt aus dem Leben geschrieben, die 
hinter Titeln wie „Scheiß auf deine Ex", „Ne Frau, die sich mich leisten kann" oder „Requiem für Bob Dylan" kleine Geschichten undWeisheiten erzählen. Sehr einfach, sehr gut zum Zuhören und sehr sympatisch.

 
Südwestpresse - Feuilleton 15.april 98:
 
CD - Tip 
Deutscher Alltag

Da kommt Freude auf. Die Liedermacher kommen wieder. Hannes Wader oder Franz Josef Degenhardt sind wieder kräftig auf Tour, und Reinhard Mey ist uns sowieso nie er- 
spart geblieben. Darum haben wir auf Joint Venture und ihre vierte Platte „Ich brauch Personal" (Capriola 07138-2) nur gewartet. 
Das Köln/Bonner Duo Martin Simon und Götz Widmann rollt den stinknormalen Alltag in einen dicken Joint oder raucht ihn in der Pfeife. Sie singen im Requiem für Bob „Dylan geht mir glaub ich jetzt ne Weile auf den Sack" oder demontieren altbewährtes Lieder- 
macher und Volksfront-Geklampfe. 
Die überzeugten Leistungsverweigerer, die den griechischen Philosophen Diogenes als ihr Vorbild auserkoren haben, skizzieren mit ihren raffinierten und oft skurrilen Texten den deutschen Alltag mit feinem Strich, schlagen dann wieder überraschend mit dem Vor- 
schlaghammer zu. Treffsicher wohlgemerkt. Wenn dann die Jazzcombo „Talking Horns" das passende Humdada für das feuchtfröhliche „Sitzend pinkeln" oder das „Weiszäcker 
Quartett" streichend die Hyme „Ich brauch Personal" untermalt, dann wird es schon fast hitverdächtig. Die Chance auf kommerzielle Erfolge zerstören sich die begnadet unbe- 
rechenbaren Parodisten rasch wieder selbst. Mal rasen sie mit dem Orient-Express durch Köln, empfehlen mit Pop-Kopfstimmen „Nimm mich als Therapeut" oder wettern kräch- 
zend gegen Kirchenglocken. Eine Platte wider den tierischen Liedermacher-Ern
st.

 
udo
 
Mittelbayerische Zeitung - Musikmagazin 21.april 98:
 
Joint Venture - "Ich brauch Personal"

Am Anfang war die Arbeitslosigkeit. Jetzt gehören sie zu jenen vor denen die CSU warnt, und wenn die beiden so weitermachen, werden sie als die „Roten Khmer" unter den Liedermachern gefürchtet sein. Götz Widmann und Martin Simon plündern mit wenigen Mitteln musikalische Stile, von Pop, Rock über Folk bis hin zu Jazz, Weltmusik (meist mit akustischen Gitarren teils mit unterstützt vom Streichensemble „Von Weizsäcker Quintett" oder der Jazzcombo „Talking Horns"). Das Duo fällt über Personen, Institutionen, über die Gesellschaft mit skurrilen deutschen Texten her, mit teils bösartigem, immer streitbaren Humor, seit nunmehr fünf Jahren. In dieser Zeit haben sie reduzierten Lebenswandel und Schonungslosigkeit zur Philosophie erklärt und sich Diogenes, „den mit der Tonne", zum Vorbild erwählt. So erschließt sich der Titel ihrer vierten CD „Ich brauch Personal" leicht: So eine Lebenstonne füllt sich schnell mit Flaschen- und Rauchresten (selbstredend entstammt der Name des Duos dem selbstlosen Einsatz für Hanfgewächse). Nicht deswegen aber gebührt den Liedermachern, die sich  „Dinger" nennen (Dichter und Sänger in einem), Gehör. Auch nicht, weil sie sich mit Problemen im Sitzen pinkelnder Männer oder „fauler Säcke" auf der Suche nach reichen Frauen behandeln. Sondern, weil sie die schwindsüchtige Liedermacher-Szene erschrecken und damit bereichern. (*****) 
„Joint Venture" treten am 4. Mai im Münchner Lustspielhaus auf.

 
mb
 
Rockzeitung - Leipzig mai 98: 
 
Joint Venture - Portrait

Deutsche Texte haben Konjunktur. Ob Pur, oder die „Hamburger Schule", die Kritik wähnt die deutschzüngigen Gesänge immer in direktem Kontakt zur landesüblichen Befindlichkeit.  Dem mag wohl so sein, leider jedoch ist es noch nicht gelungen die Bedeutung der Texte zu  ergründen. Möglicherweise enthalten sie die Antwort auf viele Fragen, die wir nicht kennen, weil wir die Texte nicht verstehen. Dann kommen da zwei, tun so als ob nichts sei, sagen sie  sind faule Schweine, kein Bock auf Streß, deswegen auch nur ganz schlicht mit zwei Gitarren, ja, und singen auch beide, Deutsch. Ein Liedermacherduo? Für diese Typisierung würden sich die beiden faulen Säcke wahrscheinlich sogar aufraffen und mir die ein oder andere Gitarre über den Schädel ziehen. Dichter und Sänger, kurz: Dinger lautet ihr eigener Behelfsmodus. Zwei junge Herren aus dem Köln/Bonner Raum, Götz Widmann und Martin  Simon mit Namen verbergen, nein, zeigen sich hinter dem Namen „Joint Venture" Ja, sie machen Lieder, aber das Gewohnheitsrecht des Sprachgebrauchs erlaubt eigentlich nicht,  zwei schlechtrasierte Kiffer, die in allen Anklagepunkten des Lieder-machertums schuldig  gesprochen werden können, als coolste Band seit Tucholsky zu Bezeichnen. Da aber seit einiger Zeit als gesichert gilt, daß der letzte wahre Punk Berlin's Harald Junkhe heißt, kann  man sich darüber hinwegwälzen, und „Joint Venture" getrost als: „Die härteste Rockband" Deutschlands titulieren. Kann man mit zwei Akustikgitarren, die zwei Gesänge tonal untermalen denn überhaupt hart sein? Natürlich nicht in dem Sinne, daß sich zornige, sehr  ge-piercte junge Menschen allerlei Geschlechts, unterstützt von einem auf A gestimmtem Erdbeben, das Zäpfchen aus dem Hals brüllen und dazu sehr apartes Bodenturnen vorführen. Viel zu anstrengend, wenn man mit viel weniger viel mehr erreichen kann. „Joint Venture" singen kurze meist satirische Short Stories, über sitzend pinkeln, Faulheit,Nervenganzganzübelzerrüttendeskirchenglockengeleutwennmangerademalwirklichdringendschlafenmuß, und Frauen natürlich auch. Es gibt von Loriot diese tolle Seite, wo er die Quintessenz von ca. zwanzig Kritiken präsentiert und es steht immer wieder nur: Mit spitzer Feder, oder mit gespitzter Feder, oder mit sehr spitzer Feder. So in der Art nur Instrumental und gesanglich kongenial unterstützt gilt das hier auch. Allein wie die beiden das Nichtwort: 
„Eyh" singen, läßt einen vor Begeisterung aufschreien. Überhaupt die Musik, der Gesang, zwar geht es schon sehr stark um die Texte, aber wenn das alles wäre, dann war' es doch viel einfacher für die faulen Schweine gewesen einen Gedichtband herauszugeben und Basta. Die Herren sind jedoch Musiker und wirklich keine schlechten. Allein die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimmen, die von nettnaiv, über lustiggequält, bis zu Hasspunkig reicht, ist beeindruckend. Dazu noch gar nicht so einfache Stimmsätze und die Gitarren werden auch recht tüchtig gefordert. Hier machen die beiden aber auf Understatement, bloß nicht den Eindruck erwecken man macht sich wirklich Gedanken über die Musik. Das ist ein wenig schade, denn auch die Musik ist von jenem humorvollen Ernst, der die Texte auszeichnet. Durch die Lässigkeit entsteht jedoch manchmal der Eindruck von Nachlässigkeit. Man wird sehen ob sie sich in Zukunft zu mehr Musik in der Musik aufraffen wollen. Bei den Texten wird das schon konsequenter umgesetzt. Nicht minutenlang auf eine Pointe hinarbeiten, sondern durch ungewohnte Perspektiven und verquere Sichtweisen den Wahnwitz des Alltags darstellen. Eine kleine Kostprobe ihres lyrischen Verständnisses, hier der komplette Text des Songs: „Die Fliege IV", Achtung: „Ich lösch das Licht/ dann find't sie's nicht". Ein Gedanke, der Parteienübergreifend die Mundwinkel der Sonne ein Stück weit entegegenschiebt. Da es mit Ausnahme von Georg Kreisler vielleicht, auch keine Referenzen, die ein spezielles Publikum auf den Plan rufen, gibt, rekrutiert sich ihre Zuhörerschaft aus den unterschiedlichsten Herkunftsgeschmäckern. Das sie auch gerade in Richtung Liedermacher ihr Gift verspritzen, gibt dem Publikum die beruhigende Gewißheit, daß das sie keine Liedermacher sind, die sie da gut finden. Nach dem Motto: Schlager ist Scheiße, Guildo Horn ist toll. Wie bei so vielen, die böse/lustig sind, ist auch hier eigentlich eine große Traurigkeit die Triebfeder. Die Formulierungen sind zwar auch dann humorvoll und originell, wenn es sich um ausgesprochen Unlustiges handelt, die rechte Freude will sich aber nicht einstellen, wenn der Inhalt trauriger ist, als die Form lustig. Ob Randy Newman, Woody Allen, oder eben Kreisler, immer sind sie Zyniker, weil sie Moralisten sind, traurig über die Unfähigkeit der Menschen selbst einfachste Probleme sinnvoll zu lösen. Zitat: Ich will dir was sagen/ was ich nicht sagen kann/ die Worte sind Hülsen für was/ was nicht in Hülsen paßt. In einer solchen Situation war wohl schon jeder, so auf den Punkt formuliert haben es jedoch die wenigsten. Denn das ist eine der edelsten Aufgaben der textenden Zunft, Dinge so zu sagen, das sie das Wesen des Textgegenstandes zeigen und nicht den Gegenstand als solches. Meistens glückt ihnen das hier, manchmal auch nicht (Deine Frau), aber was ihnen gelingt, und nur das ist bei Musik der Casus Knacksus, ist das Publikum bestens zu Unterhalten. Achso, der Name der Scheibe ist: „Ich brauch Personal". Kaufen. Konsumieren. Kringeln!.

 
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